Kleinod direkt vor der Haustür
Pingelshagener informierten
sich über FFH-Gebiet Kleingewässerlandschaft am Buchholz.
Pingelshagen • FFH – die Abkürzung für die lateinischen Begriffe: Flora
(Pflanzenwelt), Fauna (Tierwelt), Habitat (Lebensraum) – erregt die Gemüter. Was
steckt dahinter? Das konnten jetzt Interessierte im Dorfgemeinschaftshaus
Pingelshagen erfahren. 14 Gäste waren der Einladung von Nils Meyer zu Vortrag
mit Diskussion gefolgt.
Im Frühjahr vergangenen Jahres war
überall in Mecklenburg-Vorpommern über die so genannten FFH-Gebiete gestritten
und gerätselt worden. Denn in einem Schnellverfahren, welches der Öffentlichkeit
so gut wie keine Mitwirkung erlaubt, mussten diese nach Brüssel gemeldet werden.
Kein Wunder, dass daraus Irritationen erwachsen. Der 41-jährige Diplom-Biologe
Nils Meyer aus Pingelshagen bemüht sich nun um Aufklärung, auch weil die Sache
jene Gegend betrifft, in der er mit Ehefrau und zwei Kindern wohnt.
Brüssel drohte, den Geldhahn abzudrehen
Der Mitarbeiter des Landesamtes
für Umwelt, Naturschutz und Geologie erläuterte seinen Nachbarn zunächst, dass
die Landesregierung die verpflichtenden EU-Richtlinie umsetzen musste. Das Ziel:
Erhaltung der biologischen Vielfalt durch ein flächendeckendes Netz von
Schutzgebieten, die "wirtschaftliche, soziale, kulturelle und regionale
Anforderungen" berücksichtigen. In Windeseile meldete das Land so neben 15
speziellen Vogelschutzgebieten insgesamt 230 FFH-Gebiete, darunter auch eine
"Kleingewässerlandschaft am Buchholz" (nördlich von Schwerin). Ohne diese Aktion
hätte Brüssel den Subventionshahn drastisch abgedreht…
Bei dem Areal zwischen
Pingelshagen,
Groß Trebbow, Barner Stück und Schwerin-Warnitz handelt es sich um ein auch zur
Erholung genutztes Gebiet von 182 Hektar. Kennzeichnend sind die ausgedehnten
Waldmeister-Buchen-Wälder und viele Kleingewässer in offener Landschaft. Das
Vorkommen zahlreicher Amphibien hat Nils Meyer ehrenamtlich untersucht.
Insgesamt 36 Tümpel und Sölle mit offenen Wasserflächen hat der engagierte
Naturfreund zwischen Mai und August 2004 beobachtet. Dabei konnte er etliche
bedrohte Arten, darunter die selten gewordene Rotbauchunke, den Kammmolch und
sogar einen medizinischen Blutegel nachweisen.
Privates Engagement ist jetzt gefragt
Dieses Refugium zu schützen bedarf
es jetzt örtlichen Engagements, denn spätestens 2006 verlangt die EU
Rechenschaft, wenn über die Förderperiode der folgenden sechs Jahre entschieden
wird. Vorerst setzt die FFH-Richtlinie noch auf freie Vereinbarungen und stellt
finanzielle Unterstützung in Aussicht.
Es werden also Anwohner und
Interessierte für naturkundliche Beobachtungen gesucht, als auch Nutzer und
Eigentümer, die sich an Schutz und Entwicklung des Gebietes beteiligen. "Wer
möchte mitmachen?", fragt Initiator Nils Meyer und bietet seinen fachkundigen
Rat an. Beispielsweise könnte man an manchen Weihern den überhand nehmenden
Gehölzsaum auslichten, damit wieder genug Licht zur Wasserfläche durchdringt.
Aus dem Baumschnitt ließen sich Rottehaufen schaffen, in denen Amphibien
überwintern können, ohne die todbringenden Straßen überqueren zu müssen.
Anwohner, Förster und Bauern mit ins
Boot holen
Ohne Anlieger, Forstbetrieb und
Landwirte ginge das nicht, gab der Pingelshagener Klaus-Dieter Frey zu bedenken.
Diese müssten sich jetzt noch strenger an Auflagen halten. Ute Schlüter aus
Warnitz erinnerte an die seinerzeit für die Natur sehr nützliche
Ackerrandstreifen-Praxis aber auch an die Melioration aus DDR-Zeiten, welche für
die ehemals "tausend Augen" im Land – die von der Eiszeit zurück gebliebenen
Kleingewässer – verheerend war. Die Hobby-Botanikerin bot sich sogleich mit
ihren Kenntnissen zur Begleitung einer Frühjahrswanderung an.
( Bernd
Möschl )
(
Text aus der SVZ vom:
Donnerstag, 10. März 2005
)
|